Räumliches Lernen im Realraum mit Navigationssystemen

Außerhalb von Gebäuden gehört das Navigieren mit mobilen, GPS-gestützten Assistenzsystemen in verschiedenen Kontexten inzwischen zum Alltag. Der Navigationskomfort wird allerdings im Vergleich zur Kartennutzung mit einem Defizit an räumlicher Orientierung erkauft (Münzer, Zimmer, Schwalm, Baus, & Aslan, 2006). Längerfristig können Personen auch Kompetenzen und Selbstvertrauen in ihre Orientierung verlieren, wenn kein räumliches Orientierungswissen mehr erworben wird.

Kann man Visualisierungen auf einem Navigationssystem so gestalten, dass während der Navigation beiläufig auch räumliches Wissen über die zuvor unbekannte Umgebung erworben wird? Die Antwort ist ein eingeschränktes „Ja“, denn es gibt einen „trade-off“ zwischen Navigation und Orientierung. In einer Studie wurden dazu verschiedene Visualisierungen verglichen, wobei der Komfort eines Navigationssystems (Positionierung, Routenberechnung) grundsätzlich erhalten blieb (Münzer, Zimmer, & Baus, 2012). Wenn die Visualisierung vor allem dienlich für die Navigation war, dann wurde weniger Orientierungswissen erworben. Wenn die Visualisierung auf Orientierung ausgelegt war, gab es einen Vorteil beim Orientierungswissen, aber gleichzeitig eine Erhöhung der Abbiegefehler. Gegenwärtig sollte man je nach Ziel des Einsatzes eine Entscheidung für die beste Visualisierung treffen – dies setzt allerdings kompetente Nutzer/innen voraus.

Mehr Informationen

Münzer, S., Zimmer, H. D., & Baus. J. (2012). Navigation assistance: A trade-off between wayfinding support and configural learning support. Journal of Experimental Psychology: Applied, 18(1), 18-37. doi: 10.1037/a0026553

Münzer, S., Zimmer, H. D., Schwalm, M., Baus, J., & Aslan, I. (2006). Navigation assistance and the acquisition of route and survey knowledge. Journal of Environmental Psychology, 26, 300-308.